Zwanzig Jahre Quarantäne – Kath. Kirchengemeinde

Vielleicht sind Sie, wenn Sie diesen Impuls lesen, gerade in Quarantäne. Wie so viele in diesen Tagen. Zwei Wochen, so lautet die Regel. Das ist hart. Für so eine lange Zeit das Haus und die Wohnung nicht verlassen dürfen, nicht einmal zum Einkaufen, ist heftig. 

Ich denke an einen Menschen, der zwanzig Jahre abgeschirmt war. Vom 50. Lebensjahr bis zum 70. Geburtstag, an dem er im Jahr 1487 verstarb. Es ist Niklaus von der Flüe, genannt „Bruder Klaus“. Er ist einer meiner Lieblingsheiligen, auch weil ich an der Südgrenze aufgewachsen bin und schon oft nach Flüeli, ins Herz der Schweiz, gepilgert bin. 

Bruder Klaus hatte eine große Familie und eine besondere Berufung: Nach Zustimmung seiner Frau Dorothee zog er sich in eine Schlucht unweit des Dorfs in eine Einsiedelei zurück –zur alleinigen Verbindung mit Gott. Sein ältester Sohn übernahm den Hof. Immer wieder mal kam seine Frau, um wichtige Dinge mit ihm zu besprechen; aber an der Türe war Schluss. Von der Zelle aus konnte er die hl. Messe in der Kapelle durch ein Fenster mitverfolgen und kommunizieren. Und er wurde zu einem Heiligen des Friedens. Viele Streithähne kamen und wurden durch ihn versöhnt, durch seinen Ratschlag, seine Briefe, sein Gebet. Er führte ein Leben, das keiner von uns so führen könnte. Zwanzig Jahre Quarantäne und nicht „nur“ vierzehn Tage. Aber die Früchte liegen auf der Hand. 

Sein Hingabegebet, das im Gotteslob in Textform (Nr. 9,5) und als Lied (Nr. 840) steht, ist wunderschön: „Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu dir. Mein Herr und mein Gott, gib alles mir, was mich fördert zu dir. Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir.

Amen.“  

 Pfarrer Johannes Mette